Bewegung = innerer Faden
Thematik meiner Ausstellung: Reisen
„Durch die Bewegung wird eine Leere im Denkapparat erzeugt“
Reisen bedeutet Abstand zum eigenen Alltagsgeschehen.
Aus der Fülle der Eindrücke ( selbst, wenn „nichts“ ist –wie in der Wüste)
Kann sich eine innere Leere entwickeln. Meine Sicht wird geschärft( ich habe photographiert) und meine Sinne angeregt. Ich erfühle das „Sperrige“ des Landes und
reflektiere über das, was das Land für mich ausmacht.
- das gilt für MICH in diesem Moment der Reise.
Reisen heißt: sich beWEGen.
Die Bewegung beinhaltet einen Weg (in dem Wort schon enthalten), der-
einen Weg zu Begegnungen möglich macht.
2009 habe ich drei ferne Länder bereist.
Begegnungen standen im Mittelpunkt.
Die Reise nach Korea mit Künstlerinnen des Frauenmuseums
War gefüllt mit Eindrücken des Landes: unserer Ausstellung in der
Ewha- Universität in Seoul, Symposien und einer Rundreise durch das Land.
Allein über Korea ließe sich eine großartige Ausstellung zusammenstellen;
ich habe mir nur ein paar Punkte daraus gegriffen (das Fest : der Geburtstag von Buddha, Porträtaufnahmen von Menschen, „die etwas tun“, und „Ordnungen“(in einem Mandala zu sehen) (Parallel zu meiner Ausstellung wird die Fotodokumentation von uns Künstlerinnen gezeigt : an jedem Tag zu einer bestimmten Uhrzeit wurde photographiert hat, so dass fast ein ganzer Tag das Geschehen abgelichtet wurde.)
Mit der Reise nach Palästina, genauer : Beit Jala bei Bethlehem greife ich das Bild der „Bewegung“ auf. Ich habe an Bundeskanzlerin Merkel geschrieben mit einem Reisetip:
Das Land Palästina und Israel kennenlernen, aber inkognito. Es reicht aus, mit dem öffentlichen Bus von Bethlehem nach Jerusalem zu fahren, um die Lebenssituation zu erfühlen. Ich hatte mich einer Friedensinitiative angeschlossen.
Ein paar Tage vorher war ich dort alleine, dann mit Friedensaktivisten unterwegs.
Es ging um Begegnungen von 3 bzw. 4 Religionsgemeinschaften, die dort leben. Juden, Muslime, Christen, Griechisch-Orthodoxe. Wir habe uns getroffen -(man sieht, wie die israelische Militärpolizei unsere Begegnungen unterbinden wollte, an der vorläufigen Abgrenzung :einem Zaun, bevor auch dort eine bis zu 8 Meter hohe Mauer errichtet wird.)
Aus Israel kamen Menschen, die dieses enteignete und ehemals palästinensische Gebiet nicht betreten dürfen. Wir kamen in der Universität von Hebron zusammen; der Obermufti hatte uns eingeladen um u.a. über die Auslegung des Korans zu sprechen.
Viele Menschen von beiden Teilen: Palästina und Israel haben Gefahren auf sich genommen. Das Militär hat uns gefilmt, u.a. aber auch das ZDF…
Das Gefühl der Ohnmacht, die teilende Mauer - möchte ich in den Installationen meiner Ausstellung darstellen, aber auch den positiven Aspekt meiner Reise: die Begegnungen- die, durch Bewegung möglich ist (innerlich wie äußerlich). Fotos von Menschen, die sich engagieren, sich nicht entmutigen lassen, die “Frauen in Schwarz“, die Aktionen der Friedensbewegten und viele Einzelne.
Dreimal habe ich Bewegung dargestellt:
1. Das Fahrgestell, das keine Räder mehr hat : es fährt gegen eine Mauer in eine Sackgasse - das, was in Palästina passiert: Siedlungsbau nach Enteignungen, Wasserentzug…
Auf der Rückseite sieht man die Entwicklung der Grenzen zwischen Palästina und Israel.
2.“Geduld“ in der Darstellung eines Altartisches mit Rädern, gedeckt mit einer Teekanne, aus der die Geduld gießt, Beide Völker haben viel Geduld bewiesen.
Das israelische Volk, das ein eigenes Staatsgebiet besitzen möchte, -
das palästinensische, das ebenfalls in einem Land leben möchte. Beide Völker sind vertrieben worden, aus unterschiedlichen Gründen. Sie wünschen sich Land und Frieden.
3. Auf der Mauer mit den großen Rollen findet sich der Optimismus, dass Frieden zwischen den Völkern sein könnte. Losgelöst von den Schuldgefühlen, verursacht durch Verbrechen in der Vergangenheit ist es an der Zeit(auch für uns Deutsche) sich nicht länger davon lenken zu lassen. Die aktuelle Situation zu erkennen, könnte wegweisend zu Friedensbeziehungen werden.
So komme ich zu meiner 3. Reise nach Kurdistan/ Nord-Irak.
Ebenfalls ein Volk, das auf der ganzen Welt verstreut lebt(von Syrien, Iran, Irak,
Türkei, Europa…)-und das sich Frieden wünscht. Wunderschöne Landschaften : wie man sie sich vorstellt im Märchen “Tausend und Eine Nacht“. Ich habe so viele engagierte, positiv gestimmte Menschen getroffen, (daneben : die äußere Übermacht des Mannes im Straßenbild, bzw. in wichtigen Positionen.)
In beiden Ländern hatte ich große Schwierigkeiten Frauen zu finden, die einverstanden waren, sich photographieren zu lassen. Es gibt die Auslegung des Korans, dass die Abbildung des Menschen nicht gestattet ist.
Daraus ergeben sich mehrere Fragen:
Sind die Männer fortschrittlicher, dass sie die Gesetze aufheben, für sich lebensnah-
den Koran neu interpretieren-
Heißt es, dass viele Frauen rückschrittlicher sind und sich „brav“ an EINE Auslegung des Korans halten ?
Eine palästinensische Frau sagte mir bei einer der Begegnungen:
„es ist, als wäre in diesem Moment ein bisschen Freiheit und Frieden, es ist so wichtig, dass Europa uns nicht vergisst.“
So komme ich zu meinem Slogan:
„Reisen -
Bin ich hier, bin ich dort.
Bin ich dort, bin ich hier.
Leben = Leben jetzt.“
Gamma Thesa Terheyden
www.stein-terheyden.de
E-mail: steinstaub@web.de
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