Frauenmuseen über Grenzen hinweg

Die europäischen Frauenmuseen

Das Frauenmuseum Bonn ist seit 2009 Koordinationsstelle des Netzwerkes ‚womeninmuseum' für Europa. Auf den folgenden Seiten stellen wir einen Überblick über die europäischen Frauenmuseum vor. (Stand Ende 2009)

Jahr der Gründung

Die erste ‚Gründungswelle' erfolgte in den 80er Jahren. Das erste Frauenmuseum, das sich diesen Namen gab, war das Bonner Frauenmuseum. Es wurde 1981 gegründet. Schon ein Jahr später kam in Aarhus (Dänemark) das zweite Frauenmuseum dazu, 1984 folgte das frauenmuseum wiesbaden, 1986 das Verborgene Museum in Berlin und 1988 legte Evelyn Ortner den Grundstock für ihr Frauenmuseum in Meran (Italien). Mitte der 90er Jahre wurden Gynaika in Antwerpen (Belgien) als mobiles Museum sowie die Frauenmuseum in Kongsvinger (Norwegen) und Skellefteå (Schweden) ins Leben gerufen. Sieben Frauenmuseen wurden seit 2000 gegründet, außerdem bildeten sich vier Initiativen, die weitere Frauenmuseen planen.

Gründerinnen

Die Gründerinnen der 80er Jahren waren bis auf Evelyn Ortner interdisziplinär arbeitende Frauengruppen, die aus der neueren Frauenbewegung kamen. Später ging die Gründung meistens auf einzelne Frauen zurück. Die Gründungsphase war fast immer begleitet von großem ehrenamtlichem Engagement, um Anerkennung und Unterstützung zu finden.

Eine Sonderrolle fällt dem Museum in Schweden zu, dessen Gründung der Gemeinderat in Skellefteå beschlossen hatte. Interessant ist weiter der Fall in Hittisau (Österreich). Dort erarbeitete die Kuratorin Elisabeth Stöcker im Auftrag der Gemeinde ein Museumskonzept für eine neue kommunale Einrichtung. Ihr Museumskonzept sah den Aufbau eines Frauenmuseums vor, was vom Gemeinderat akzeptiert wurde. Abgesehen davon war die Etablierung eines neuen Museums immer ein sehr langwieriges und arbeitsaufwändiges Projekt, das sich teilweise über Jahre hinzog.

Zielsetzung

Alle Frauenmuseen gründeten sich aus einem Defizit. Ein wesentliches Ziel der meisten Einrichtungen ist das Erforschen und Sichtbarmachen von Frauengeschichte und dem kulturellen Erbe von Frauen sowie die Förderung von Frauenkultur. Zum Teil formulieren sie es als Aufgabe, ein Bewusstsein für Frauen- und Genderfragen zu wecken und einen Beitrag für eine egalitäre Gesellschaft zu leisten. Diese Ziele sollen vor allem durch Ausstellungen und Bildungsarbeit erreicht werden. Einige Frauenmuseen sehen ihre Aufgabe auch darin, neue künstlerische Qualitätsbegriffe und kreative Ausdrucksformen zu entwickeln sowie die bisherigen Grenzen von Frauen in der Kunst aufzubrechen. Das Museum Frauenkultur Regional International aus Fürth basiert dagegen auf einem interkulturellen Konzept mit dem Ziel, ein friedliches Zusammenleben in unserer multikulturellen Gesellschaft zu fördern.

Inhaltliche Schwerpunkte

Das Verborgene Museum in Berlin, das FemArtMuseum in Amsterdam, Gynaika in Antwerpen und das Museum Anna Nordlander in Skellefteå sind reine Kunstmuseen. Alle anderen Museen thematisieren Frauengeschichte und Frauenkultur, einige wechseln Kunst- und Geschichtsausstellungen ab. Als Besonderheit hat das ‚frauenmuseum wiesbaden' Schwerpunkte im Bereich Archäologie und Stadtgeschichte, das Museum Frauenkultur in Fürth hat einen interkulturellen, ethnologischen Ansatz, das Frauenmuseum Bonn kombiniert historische und gesellschaftspolitische Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst, indem Künstlerinnen ein Kunstwerk zu dem jeweiligen Thema kreieren.

Örtlichkeiten

Die meisten Frauenmuseen beginnen ihr Projekt, ohne feste Räume zu haben, manche starteten als mobile Museen. Bei der Wahl der Gebäude sind alle Möglichkeiten offen, die Museen müssen flexibel sein. Das Frauenmuseum Bonn besetzte ein leer stehendes Kleiderkaufhaus, das dänische Frauenmuseum eroberte das ehemalige Rathausgebäude von Aarhus, das norwegische Frauenmuseum residiert in einer schönen Landvilla, in der eine bekannte Künstlerin aufwuchs, das ‚frauenmuseum wiesbaden' fand Unterkunft in einer alten Fabrik, das Museum Frauenkultur im nicht heizbaren Marstall von Fürth und das Frauenmuseum Meran zieht 2010 in ein ehemaliges Frauenkloster. In authentischer Umgebung ist das Museum der Roma-Frauen eingerichtet und zwar in Höhlen im traditionellen Zigeunerviertel von Granada. Die Frauenmuseen von Österreich und Schweden haben einen repräsentativen Neubau.

So unterschiedlich wie die Orte ist auch die Größe der Ausstellungsräume. Das Verborgene Museum liegt wirklich sehr verborgen in einer Etage eines Wohnhauses im Hinterhof. Es muss sich mit weniger als 100 m2 begnügen. Die meisten Frauenmuseen haben ein paar Hundert Quadratmeter zur Verfügung, das norwegische hat 900m2, das dänische hat sich Schritt für Schritt auf 2.220 m2 erweitert und das Bonner Frauenmuseum hat wegen der Größe des Kaufhauses 3.000 m2.

Trägerschaft

Nur die drei Frauenmuseen in Schweden, Dänemark und Österreich sind kommunale Einrichtungen, das virtuelle Projekt MUSEA ist an die Universität von Angers (Frankreich) angegliedert. Die anderen Frauenmuseen haben eine unabhängige Stiftung, einen eingetragenen Verein oder Frauenverband als Träger.

Finanzierung

Nur ein Teil der Finanzierung erfolgt über staatliche und kommunale Gelder. Das norwegische und das schwedische Frauenmuseum sind die einzigen, die sich ausschließlich aus Gemeinde- und Bezirksmitteln finanzieren; das dänische Frauenmuseum beantragt neben kommunaler und staatlicher Förderung zusätzlich Gelder aus privater Stiftung. Das Museum in Österreich erhält Finanzen von der Gemeinde und dem Bundesland, ebenso das in Meran von der Gemeinde und dem Land Südtirol, Gynaika von der flämischen Regierung, das Museum der Roma-Frauen von der Stadt Granada. Fast alle Museen müssen zusätzliche Finanzakquise betreiben. Die deutschen Frauenmuseen erhalten mehrheitlich nur eine Basisfinanzierung der Kommunen für Miete und zum Teil eine geschäftsführende Stelle. Für Ausstellungen gibt es in der Regel kein Budget, so dass die Kosten zusätzlich eingeworben werden müssen. Das ukrainische Frauen- und Gendermuseum, das sich im Aufbau befindet, und die Initiative FemArtMuseum in Amsterdam haben von Frauenstiftungen eine Anschubfinanzierung erhalten, das Universitätsprojekt MUSEA u. a. vom europäischen Sozialfond. Die Finanzierung ist oft unzureichend. Viele Frauenmuseen kämpften oder kämpfen noch immer um das Überleben.

Mitarbeiterinnen

Die Zahl der festen Mitarbeiterinnen ist bis auf wenige Ausnahme sehr gering, meistens gibt es nur ein bis zwei Stellen. Wesentlich besser ausgestattet ist das norwegische Frauenmuseum mit insgesamt acht Vollzeit- und Teilzeitstellen. Dank einer innovativen Arbeitsmarktpolitik kann das dänische Frauenmuseum auf 20 Mitarbeiterinnen zurückgreifen, darunter drei Kuratorinnen. Im Gegensatz dazu hat das Museum Frauenkultur aus Fürth gar keine Stellen, alle Vereinsfrauen arbeiten unbezahlt je nach Kapazität. Auch das Museumsprojekt in der Ukraine hat noch keine Perspektive, denn die befristeten Stellen laufen Ende 2009 aus.

Alle Frauenmuseen leisten wichtige gesellschaftspolitische Arbeit, was bei der geringen Stellenzahl kaum zu leisten ist. Bis auf die skandinavischen Länder sind überall auch Ehrenamtliche tätig, um die Arbeit aufzufangen. Viele Museen haben je nach Projekt Honorarkräfte beschäftigt. Im Bonner Frauenmuseum sind mehrere ständige Freie Mitarbeiterinnen, deren Honorar erwirtschaftet werden muss.

Ausstellungen

Nur die vier Frauenmuseen in Norwegen, Dänemark, Südtirol und Spanien zeigen in ihren Häusern eine Dauerausstellung. Das ukrainische Frauen- und Gendermuseum hat eine Ausstellung mit acht unterschiedlichen Abschnitten aufgebaut, die es als Dauerausstellung zeigen möchte, jedoch hat es keine eigenen Räumlichkeiten. Alle anderen Frauenmuseen haben sich bewusst dafür entschieden, statt einer Dauerausstellung mehrmals im Jahr wechselnde Sonderausstellungen zu präsentieren. Einige wenige Museen zeigen jährlich bis zu 10 Wechselausstellungen, die meisten zwei bis drei. Fast alle publizieren dazu einen Katalog.

Sammlung

Ein Teil der Frauenmuseen hat keine eigene Sammlung angelegt oder sammelt nur zu einem eingeschränkten Bereich. Während in Meran eine fertige Sammlung der Anlass war, das Museum zu gründen, stellt für manche Frauenmuseen das Sammeln eine Nebentätigkeit dar. Für das ukrainische Projekt dagegen steht das Sammeln im Vordergrund, da es keine anderen Einrichtungen im Land gibt, die Frauengeschichte dokumentieren. Es sieht einen wichtigen Arbeitsbereich darin, alte schlecht erhalte Abbildungen von Frauen neu zu gestalten, um somit Frauengeschichte illustrieren zu können.

Virtuelle Ausstellungen

Neben den real existierenden Frauenmuseen gibt es bereits virtuelle Projekte, die Frauengeschichte darstellen. Die Universität Angers gründete 2004 das Internetmuseum MUSEA, um wissenschaftliche Frauen- und Genderstudien in Form von Internetausstellungen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Mittels einer Internetplattform können BesucherInnen der Website ein Feedback geben. Zuvor hatte die Initiatorin versucht, ein reales Frauenmuseum einzurichten. Da sie (zunächst) keinen Erfolg hatte, dient das virtuelle Projekt dazu, zumindest in einigen Bereichen das Frauenmuseum zu ersetzen.

Ein zweites in sich abgeschlossenes Internetprojekt ist MuSieum vom Gleichstellungsbüro Wien. Es greift auf die Sammlungen von vier realen Wiener Museen zurück. Auf seiner Website werden Abbildungen und Objekte dieser Museen gezeigt und in einen geschlechtsspezifischen Kontext gestellt, um die herkömmlichen Interpretationen kritisch zu hinterfragen und zu neuen Interpretationen anzuregen.

Frauen- oder Gendermuseen

Eine weitere neue Entwicklung verdeutlicht, dass der Begriff Frauenmuseum langsam erweitert wird: Die ersten Einrichtungen und Initiativen nennen sich Frauen- und Gendermuseum; es gibt erste Ausstellungseinheiten des ukrainischen Museums, die sich gezielt an Männer richten. Dort arbeitete ein Mann ehrenamtlich neben befristet eingestellten Frauen mit. Das Museum Anna Nordlander aus Schweden hat es sich u. a. zum Ziel gesetzt, Gender bezogene Sachverhalte in der Kunst zu thematisieren. Interessanter Weise kam aus Schweden der einzige männliche Teilnehmer zum Netzwerktreffen. Darüber hinaus beschäftigt das norwegische Frauenmuseum zwei Männer.

Initiativen für Neugründungen

Mehrere Frauen(gruppen) arbeiten daran, in ihrem Land ein neues Frauenmuseum zu gründen. Zu ihnen gehört Martha Beéry aus der Schweiz. Bis jetzt fand sie weder Unterstützerinnen noch Räumlichkeiten geschweige denn Finanzquellen für ihr Projekt. Dagegen ist Elsa Ballauri mit ihrem Projekt eines albanischen Frauenmuseums bei Behörden, möglichen Sponsoren und ausländischen Botschaften auf Interesse gestoßen. Zu Beginn des Jahres 2010 wird eine Gruppe Frauen in einem privaten Haus das Museum aufbauen, das im Mai 2010 eröffnet werden soll. Das Museo Donne del Mediterraneo 'Calmana' aus Neapel, das Genoveffa Palumbo initiierte, verfügt noch nicht über Räume oder Ausstellungen, hat aber viele Recherchen durchgeführt sowie Seminare zum Thema Museen und Gender veranstaltet. Erste Erfolge hatte Freda Dröes aus Amsterdam mit ihrem geplanten FemArtMuseum. Sie konnte eine Reihe SponsorInnen gewinnen, die Geld oder Bilder stiften, wenn das Projekt ein geeignetes Haus gefunden hat.

Homepages

Es gibt darüber hinaus noch vieles über die Frauenmuseen zu entdecken! Besuchen Sie uns ganz real oder im Internet (siehe Linkliste der Frauenmuseen).

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Netzwerk "womeninmuseum" (www.womeininmuseum.net).

Bilder-Galerie zu: Network of Women's Museums
 
Öffnungszeiten
Wir freuen uns Sie im Frauenmuseum Bonn begrüßen zu dürfen und wünschen Ihnen viel Freude an unseren Ausstellungen.

Di - Sa: 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr
So: 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Aktuelles
08.03.2010, 15:40 Uhr
Preisträgerin des Gabriele Münter-Preises ist Christiane Möbus.
© Verein Frauenmuseum - Kunst, Kultur, Forschung e.V. | Im Krausfeld 10 | 53111 Bonn
Frauenmuseen, die sich im Netzwerk "womeninmuseum" zusammengeschlossen haben

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