Pressemitteilung


Samstag, 18. Januar 2020, 18:00 Uhr

 

Gertrudiskapelle im Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, 53111 Bonn

 

 

 

Vortrag von Leah Rauhut-Brungs: „Jüdisches Leben in Bonn: Jacques Rensburg… mit Musik dieses vergessenen Bonner Komponisten.“

 

Unser Beitrag zum Jubiläumsjahr 2020.

 

 

 

Eingeladen sind alle interessierten Menschen.

 

Eintritt frei.

 

 

Mehr zum Thema aus

 

Viola/Cello http://violacello.de/?page_id=41:

 

 

Lebenslauf von Jacques Rensburg 1846 – 1910

 

Hinter diesem Namen, den man heute nicht mehr kennt, verbirgt sich ein leidenschaftlicher Musiker und hoch virtuoser Solo – Cellist und Kammermusiker. Er war befreundet mit vielen seiner Zeitgenossen wie Joh. Brahms, Edvard Grieg, Friedrich Gernsheim, Leonhard Wolff, Ferdinand Hiller, Max Bruch, Clara Schumann, Joseph Joachim, um nur einige Namen zu nennen, und spielte mit den bekanntesten Musikern seiner Zeit.

 

Geboren in Rotterdam als Sohn eines Bankdirektors und verheiratet mit der Nichte von Jacques Offenbach, hat Jacques Rensburg fast die Hälfte seines Lebens in Bonn gelebt und hier die Musikwelt der „Rheinlande“ wesentlich mitgestaltet. Seine Verdienste um die Rettung des „Beethoven Haus“ sowie die „Grundsteinlegung“ für die Kammermusik und ihre Verbreitung in der weiten Öffentlichkeit sind zwar heute vergessen, aber besonders letzteres führte dazu, dass Bonn in späteren Jahren zum Mekka der Kammermusik wurde. Er musizierte u.a. als erster Cellist im Orchester der Gürzenich – Konzerte, als Solist im Leipziger Gewandhaus Orchester und unterrichtete als Lehrer an der „Rheinischen Musikschule“ zu Köln z.B. Engelbert Humperdinck, zu dem er lebenslang engen freundschaftlichen Kontakt hielt.

 

Aber auch international wurde er berühmt, wie Kritiken im Monthly Musical Record (1874) und im Dwight’s Journal of Music (1869), das in Boston erschien, belegen. In ihnen wurden immer wieder sein „außergewöhnliches Talent und sein schönes elegantes Spiel“ hervorgehoben.

 

Sein unermüdlicher Einsatz für die Musik, die vielen Reisen, das Unterrichten und schließlich auch das Komponieren forderten ihren Preis. Heutzutage würde man von einem Burnout sprechen. J. R. übte für fast sechs Jahre „aktive musikalische Enthaltsamkeit“. Damit ihm das leichter fiel, zog er mit seiner Familie weg von Bonn wieder nach Rotterdam und arbeitete dort erfolgreich als Bankier, was sein Vater vermutlich nur zu gern sah. Danach stürzte er sich 1880 wieder ins Bonner Musikleben. Allerdings verzichtete er vorübergehend auf die strapaziösen Tourneen und fand daher endlich Muße zum Komponieren. (Wie wichtig ihm dieses Spektrum seines Lebens war, erkennt man auch daran, dass er sich 1880 in das Bonner Adressbuch als Tonkünstler und Komponist eintragen ließ). 1881 trat er wieder mit Joseph Joachim, dem Geigenvirtuosen schlechthin, in Leipzig auf, hatte den Cellopart im Heckmann-Quartett – desgleichen im Kölner Gürzenich-Quartett – und veranstaltete auch in Bonn regelmäßige Kammermusikabende, die außerordentlich populär waren. Durch die erschwinglichen Eintrittspreise strömte das Publikum in Scharen in die fast immer ausverkaufte Beethovenhalle.

 

In den späten neunziger Jahren des 19. Jhdt. zwangen Rensburg chronische Schmerzen in seinem Bogenarm zum endgültigen Abschied vom Cellospiel. Fast zeitgleich wurde ihm vom preußischen Kultusministerium der Professoren-Titel verliehen.

 

Da es so gut wie kein Material, keinerlei Sekundärliteratur und eine nur spärliche Quellenlage gibt, basiert oben stehende Zusammenfassung auf dem aus Anlass des 100jähigen Todesjahr von J. Rensburg herausgegebenen Heft Rensburgs Zauber Cello in der Reihe Kleine Lehrhaus-Hefte aus der Schriftenreihe des Vereins für Geschichte und Kultur der Juden der Rheinlande e.V.. Mein Dank gilt der unermüdlichen Recherche der Verfasserin Leah Rauhut-Brungs. Ohne ihre Aufmerksamkeit und ihr Engagement gäbe es kein Erinnern mehr an diesen Musiker und Komponisten. Die Suche nach noch vorhandenem Notenmaterial führte uns beide quer durch Archive und Staatsbibliotheken in Deutschland, nach Holland und in die USA. Da gilt mein besonderer Dank der „Fleisher Collection“ in Philadelphia. Aus diesem Grund ist das Interesse groß, weitere Informationen zu erhalten. Wenn Sie als Leser dieser Seite also Anregungen oder weitere Quellen kennen, melden Sie sich doch bitte.

 

Unvollständiges Werksverzeichnis:

 

Op. 1 Konzertstück Adagio f. Violoncello mit Begleitung des Orchesters Köln, 6. Januar 1869, Breitkopf & Härtel, beim Verlag nicht mehr vorhanden, Noten   antiquarisch noch vorhanden.

 

Op. 2 Drei Stücke (Junge Liebe, Bangen, Beruhigung) f. Violoncello mit Klavierbegleitung, Bonn, um 1910, Gustav Cohen Verlag, Bonn. Verlag existiert nicht mehr, Staatsbibliothek Hamburg (s. Notenbeispiel).

 

Op. 3 Konzert f. Violoncello mit Orchesterbegleitung, gewidmet Professor Eduard Jacobs, 1892 Berlin, Ries & Erler (Verlag gibt es noch, hat die Noten).

 

Op. 4 Drei Charakterstücke Am Meeresstrande für Violine, Viola und Violoncello mit Orchesterbegleitung, Elegie, (Beim Rettungsversuch ertrunken), Matrosenlied, Jahr der Entstehung und Verlag sind nicht bekannt, Noten antiquarisch?

 

Op. 5 Ballade f. Violoncello und Orchester, Jahr unbekannt, Breitkopf & Härtel, Noten aber im Verlag nicht mehr auffindbar.

 

„Kol Nidre“, Dichtung von Max Herschel, Melodie von Lewandowsky, musikalische Bearbeitung d. J. R., vermutliche Entstehung und erste Aufführung 1898, Stadtarchiv Bonn.

 

 

 

Leah Rauhut-Brungs, Bonnerin jüdischen Glaubens, Publizistin,

 

Gründungsmitglied des Vereins für die Geschichte der Juden der Rheinlande und des Kleines Jüdischen Lehrhauses, diverse Veröffentlichungen zur jüdischen Stadtgeschichte

 

 

 

Die heilige Gertrudis verbindet als ökumenische Heilige und Äbtissin die christlichen Religionen.

 

Mit Intelligenz und offenem Herzen lehrte sie zu Ihrer Zeit auch Frauen das Lesen und

 

stand allen Menschen zur Seite, denen sie helfen konnte. So wurde sie zur Schutzpatronin

 

von Pilgern und Reisenden, Gärtnern, der Landwirtschaft ebenso von Spitälern und Hospizen.

 

Meist wird sie mit dem Krummstab der Äbtissin dargestellt, der oft Mäuse, ein Buch,

 

ein Spinnrad oder ein Segelschiff zur Seite gestellt werden.

 

 

 

Zum Gertrudisteam gehören:

 

Curt Delander, Renate Vollmar, Christa Birkel, Susanne Gundelach, Hans Hecek, Klaus Mertens, Siegfried Stutz

 

Nachdem Curt Delander die Reste der alten Gertrudikapelle aus der Baugrube an der Vogtsgasse gerettet hatte, war nur Marianne Pitzen, die Direktorin des Frauenmuseums bereit, die Trümmer aufzunehmen.

 

2013 wurde die Gertrudskapelle im Frauenmuseum ökumenisch geweiht.

 

Seit dieser Zeit bemüht sich das Gertrudisteam diesen geweihten Ort mit Leben zu füllen. Das Team lädt zu Andachten, Vortragen, Konzerten und …ein.

 

 

 

Es wäre sehr schön, wenn Sie in Ihren Medien diese Veranstaltung ankündigen und darüber berichten könnten.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Susanne Gundelach im Auftrag des Gertrudis-Teams und des Frauenmuseums

 

 

 

0228 - 95 22 80


 

Pressebrief

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

 

 

zur Pressevorbesichtigung der Ausstellung

 

Eleonore, Emilie, Elise – Beethoven und die Frage nach den Frauen

 

-          im Bonn des 18. Jh.

 

-          im Land der Sehnsucht

 

-          in der Musik.

 

laden wir Sie herzlich ein: Freitag, 31. Januar 2020 um 12 Uhr

 

(Ausstellungsdauer: 2.2. – 8.11.2020)

 

 

 

Die Namen im Titel Eleonore, Emilie, Elise…“ stehen für die Bonner Freundin, die Komponistin Emilie Meyer (1812-1883) und eine der möglichen Geliebten.

 

 

 

Das Projekt im Frauenmuseum ist sicher einmalig von seiner Konzeption her:  informativ durch seinen Geschichtsbereich mit Bonnbezug, durch die Klangzonen, von den Video-installationen ausgehend,  durch die Frauen seiner Zeit, die es den Künstlerinnen von heute besonders angetan haben,  Komponistinnen, die völlig vergessen waren, kommen in Bild, Biografie und im Konzertprogramm zum Zuge. Doch nicht nur die Frage nach den Frauen steht im Raum, sondern auch der Männlichkeitskult um LvB., seine Musik sei die männlichste… (s. Vorträge der Musikprofessorinnen Beatrix Borchard und Christine Siegert)

 

Der Weg in die Ausstellung

 

führt durch das Giertor am Rhein, dahinter öffnet sich die Rheingasse mit dem Haus-Nr. 7 (heute Rheinlogen u. Oper von hinten), wo der kleine Ludwig zum jungen Mann heranwuchs. Hier, in der „echten“ Altstadt, geht man über Steinplatten aus dem Hof von Beethovens Wohnhaus. Und was erfährt man über seine Mutter, Geschwister, und Cäcilia, die Nachbarin?  Im Haus der Helene von Breuning fand er Zugang zur geistigen Elite Bonns und Jugendfreundin Eleonore. Kostüme aus dem Filmprojekt von Georg Divossen zaubern imaginäres Leben in den Breuningschen Salon.

 

Die „Belle Etage“ des Frauenmuseums öffnet sich den Raum- und Video-Installationen der zeitgenössischen Künstlerinnen:

 

Von den 50 Künstlerinnen ist etliche als Grenzgängerin zwischen Bildender Kunst und Musik tätig wie z.B. Christine Fausten, Textilfigurenkünstlerin und Komponistin, oder Rena Meyer-Wiel, (s. Cover), Sängerin, Filmemacherin und Objektbauerin.  Gisela Weimann pflanzt den „Garten der Komponistinnen“, Chris Werner lässt den Mond durch romantisches Gefilde wandern, die entsprechende Sonate wird in Gesang transformiert (F. :Schauhoff). Tragisch: Heide Pawelzik wünschte sich als Kind eine Geige, bekam eine Geige zum 5. und 7. Geburts-tag,  doch jedesmal nahm sie ihr die Mutter weg. So sehen wir sieben verkohlte Geigen am Boden. Klassische Skulpturen schufen Madeleine Pons und Franziska Schwarzbach.

 

Den Frauen aus Beethovens Umfeld widmen sich Anne R. Kieschnick, Ulrike Filgers (Video), Mo Kleinen u.a.  Aus tiefem Mitgefühl mit seinem Gehörleiden entstanden die Werke von Mara Loytved-Hardegg und Irmtraud Büttner-Hachmeister.  Und immer wieder werden – wenn auch sporadisch  – Beethoven-Töne durch die Räume schweben,  so u.a. das Pausenzeichen des BBC im Videofilm von Anna S. v. Holleben: Tatatataaa!

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen, Marianne Pitzen


Hildegard Herget (1930-2019)

 

Man kennt von ihr die große Skulptur – Fusion – unweit vom Posttower in Bonn, doch nun wird sie im Frauenmuseum mit ihrem Lebenswerk, ausgewählten Arbeiten aus ihren verschiedenen Schaffensphasen, vorgestellt.

 

Das Frauenmuseum ist der richtige Ausstellungsort, das Leben von Hildegard Herget zu präsentieren, zumal die Wanderausstellung „Liebespaare“ mit Werken der Künstlerin 1990 hier Station machte.

 

Die Künstlerin führte ein zielorientiertes und wechselreiches Leben. Die unterschiedlichen Lebensanforderungen nahm sie an. Ihre Erfolgsgaranten waren Disziplin, Zielstrebigkeit, Weiterbildung, Durchhaltevermögen und intensives Arbeiten an sich.

 

Dank dem großen sportlichen Talent in der Leichtathletik, feierte sie als Mehrkämpferin und in ihrer Spezialdisziplin 80 m Hürden große Erfolge und wurde in die deutsche Kernolympiamannschaft berufen. Das hier entwickelte Selbstbewusstsein weckte früh den Wunsch nach Freiheit und Eigenständigkeit.

 

Ihr künstlerisches Leben hatte mehrere Standbeine. Die Absolventin der Modefachschule machte sich später selbstständig und führte ein Modeatelier für die Frau mit gehobenen Ansprüchen.

 

Darüber hinaus betrieb sie für zwei Jahre eine Galerie für zeitgenössische Kunst in Remscheid.

 

Ein weiteres Standbein waren die vielfältigen Linolschnitte, Aquarell- und Ölbilder sowie Bronzeskulpturen. Ihre Kunst wurde über die Jahre mehrfach preisgekrönt, es folgten Ausstellungen in Deutschland und im Ausland.

 

Mit Franz Josef Herget bekam die Künstlerin sieben Kinder, das Paar trennte sich nach über 20 Jahren und sie zog mit drei Kindern nach Salzburg.

 

Der Charakter von Hildegard Herget war immer authentisch, zielstrebig, willensstark und mutig, immer wieder neues Terrain zu betreten.

 

Ausstellung vom 13.10. bis 24.11.2019



„Zuhause – Familienbilder“

Ölbilder von Alexandra Weidmann
11.08. – 25.09.2019 

 

Die in Berlin und Brandenburg lebende und arbeitende Malerin Alexandra Weidmann stellt im Frauenmuseum Bonn aus. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Darstellung von Menschen. Auch in dieser Ausstellung spielen Menschen eine prominente Rolle. Es werden Bilder gezeigt, die man unter dem weitgefassten Begriff „Familienbilder“ einordnen kann. Ihre Bilder „erzählen“ Geschichten, stellen Fragen. Besonders auffällig ist ihre Farbigkeit. Die leuchtenden Farben suggerieren Heiterkeit und stehen mitunter im krassen Widerstreit mit gesellschaftspolitischen Bildinhalten. Daneben malt sie auch Tiere und Landschaften. Allen Arbeiten ist eine figurative, mehr oder weniger von der Realität abstrahierende Darstellung gemeinsam. Ihre Arbeiten finden sich in öffentlichen Sammlungen und werden international ausgestellt.

 

Die Bilder der Ausstellung greifen unterschiedliche Aspekte des menschlichen Zusammenlebens auf, wobei insbesondere die Rolle der Frauen teils ironisch, teils bitter beleuchtet werden. Die Situation der Frauen hat sich nicht zuletzt aufgrund der Frauenbewegung verändert. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war das Leben und die Gesundheit durch eine hohe Kinderzahl bedroht. Von 10 Kindern überlebten die Kindheit vielleicht 3. Der Tod war ein ständiger Begleiter was z.B. im Bild „Erde zu Erde“ thematisiert wird. Als Modell für das Zusammenleben ist nicht mehr nur die Vater-Mutter-zwei-Kinder-Konstellation möglich. Eine alleinerziehende Krankenschwester mit Dackel und Kind hat ein alternatives Modell gewählt. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind akzeptiert, wobei dies nicht unbedingt problemlos sein müssen, wie man aus den Bildern „Am Tisch“ oder „Zweisamkeit“ schließen könnte. Immer noch gibt es die klassische Rolle der Frau in der Familie. Sie hat sich um Haushalt, Kinder und Pflege von Angehörigen bis in den Tod zu kümmern. Am Schluss räumt sie die Knochen auf, wie es das allegorische Bild „Die Arbeit, das Leben und der Tod“ aufzeigt. Der harmlose Familienausflug im Boot („Begegnung“) konfrontiert uns mit der Frage, was ethisch vertretbar ist. Kann man die im Wasser treibenden Afrikanerinnen ins Boot aufnehmen? Und wie viele, ohne dadurch die eigene Familie zu gefährden? Und wann hört endlich die Gewalt gegen Frauen auf („Zur Warnung“)?

 

Finden wir in der Familie Nähe, Geborgenheit, Schutz vor der Gewalt und, wenn diese nicht abgewendet werden kann, einen Ort zur Gesundung? Ist sie nur eine Möglichkeit seine Sexualität auszuleben, Kinder in die Welt zu setzten und Großeltern zu werden? Familien bedeuten Struktur, ein Geben und Nehmen, aber auch Einengung bis zur Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt.

 

Die Ausgangspunkte der Bildkompositionen von Alexandra Weidmann sind oft Fotografien, gefunden z.B. in Fotoalben, aber auch eigene und publizierte Fotos können zur Umsetzung einer Bildidee führen. Die meist verändert dargestellten Protagonisten stehen somit Modell für ein Bildgeschehen, das es im realen Leben nie gegeben hat. Die Ähnlichkeiten zu realen Personen sind daher nicht rein zufällig, aber nicht das Anliegen der Malerei. In ihren Bildern versucht die Malerin über eine Einzelsituation hinaus zu gelangen. Hierfür wendet sie vor allem die Methode der Collage an, d.h. im Bild auftauchende Protagonisten sind nur dort zur selben Zeit am selben Ort. Die Protagonisten werden aus ihren Kontexten gelöst und je nach der beabsichtigten Bilderaussage mit anderen neu kombiniert. So wird die angeblich heile Welt demaskiert und durch Semantikverschiebung entstehen aus alten Narrativen neue.

Pressebilder auf Anfrage bei:
petra.peter-friedrichs@frauenmuseum.de



bauhaus*innen räume 1919 – 2019
100 Jahre Bauhaus

19.05.2019 –22.11.2019

 

Die Projekt-Werkmeisterinnen und einige Künstlerinnen werden anwesend sein.

Am 19. Mai ist die Vernissage und zugleich Internationaler Museumstag und Macke-Viertel-Fest.

Um 12 Uhr spricht Dr. Marlies Obier zu „Das gebrochene Versprechen der Gleichheit“. Die Ausstellung läuft im Rahmen von „Frauenpolitischer Aufbruch“, als RATIONALE 4 und im Rahmen von 100 Jahre Bauhaus im Westen.

Das bauhaus-Projekt im Frauenmuseum ist völlig anders, schon deshalb, weil hier die Frauen zum Zuge kommen. Wir nehmen das bauhaus überdies wörtlich und stellen ein großes Experimentierfeld vor:

Die Raummitte wird vom idealen Grundriss nach dem Haus am Horn von 1923 eingenommen (Umsetzung: Marion Brünglinghaus und Wolf Wetzker), möbliert mit  Bauhausmöbeln frei nach: Alma Buschers Kinderzimmer und Lilly Reichs Ideen.

Eine Wohnung für eine WG, Familie ist WG! 

Im historischen Bereich werden die Bauhaus-Tapeten der Maria Rasch, eine der ersten Bauhausstudentinnen, präsentiert (Werkmeisterin Silke Dombrowsky).

Else Mögelin ist eine weitere Bauhausstudentin, deren Textilarbeiten durch ihre Nachfolerin Brigitte Schirren erlebt werden können (Werkmeisterin Petra Genster).   

Dokumentarisch sind die bekannten Bauhäuslerinnen aufgeführt wie Anni Albers, Marianne Brandt, Ise Gropius, Lucia Moholy, Gunta Stölzl u.a.  Für weitere Nachforschungen stehen dem Publikum Arbeitsplätze (WLAN) zu Verfügung.

Architektur 

Die jungen Frauen vor 100 Jahren strebten ans Bauhaus, um eine neue Welt mit zu gestalten. Doch das Versprechen der Gleichheit (s. Eröffnungsvortrag von Dr. Marlies Obier am 19. 5. ) wurde enttäuscht:  Die Zahl der jungen Frauen erschreckte Walter Gropius, er und andere Bauhausmeister verwehrten den Frauen den Zugang zu ihren Kursen, sie sollten nicht Architektinnen werden und so

wandten sich den Innenräumen zu.  (Die RATIONALE 3 hatte öffentliche Bauten  zum Thema, die RATIONALE 4 befasst sich mit den Innenräumen, dem Wohnen

und sozialen Fragen).  Studierende der Hochschulen in Mönchengladbach und Detmold sind mit originellen Werkstücken beteiligt.

Wie Marion Brünglinghaus stellt auch Dorothea Lange Architektinnen von Weltrang  in Film und Plänen vor:

Jeanne Ganng, Zaha Hadid, Marcelle Hansch, Dorte Mandrun, Liz Oabu,

Ellen van Loon, Laura Peretti, Bettina Lange-Hecker u.a. 

 

Kunstbereich, c/o Marianne Pitzen:

Im Bereich aktuelle Kunst - konkrete Kunst, installiert Kirstin Arndt eine raumgreifende Arbeit. Sie bezieht Beton, Metallobjekte u.a. mit ein.

Mehr malerisch die Installation von Lilah Fowler, beide sind Künstlerinnen der Galerie Gisela Clement.  in diesem Feld tätig sind auch Rita Rohlfing (gkg), die Holländerinnen Rity Jansen-Heijtmier und Anneke Klein-Kranenberg. 

Vera Röhm, bekannt für Werke in Fabrikhallenformaten, hat sich

auf kompakte Objekte und Kunst am Bau konzentriert.  Spielfelder schufen Bertamaria Reetz, Sibylle Rosenboom.

Stadtlandschaften breiten sich aus. Durch die Hausobjekte und Hausgruppen von Ingrid Grießer, Maria Pudelko, Maria Maier, Ulrike Reutlinger und Annette von der Bey, vorbei an Fotos von Petra Strauch,  kann man wandern und über neues Bauen, die Krise der Städte und Wohnungsnot reflektieren.

 

Andere, wie Judith Wanzer, haben sehr direkt das bauhaus-Thema für sich entdeckt: sie webt einen schwebenden Marcel Breuer-Sessel in Wolle ein, das freche Itten-Zitat einflechtend,  „Wo Wolle ist, ist auch ein Weib“.  Lampen und Leuchtobjekte bis zu Porzellan von Louise Rietvink runden das breite Spektrum der künstlerischen bauhaus-Aneignung ab.  

Ein umfassender Katalog erscheint Anfang Juli, das Programm sieht offene Führungen an jedem ersten Sonntag im Monat vor.



Frauenpolitischer Aufbruch II

– Von der Gleichberechtigung zur Selbstbestimmung

 

14. April 2019 bis 1. November 2019

 

Geschichte, Dokumente und zeitgenössische Kunst

Bonn: 2019 jährt sich zum 70. Mal die Verabschiedung des Grundgesetzes, in der die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verankert wurde. Das Frauenmuseum Bonn nimmt dies zum Anlass für eine Ausstellung zum frauenpolitischen Aufbruch. Die Ausstellung „Von der Gleichberechtigung zur Selbstbestimmung“, die mit maßgeblicher Unterstützung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung realisiert werden konnte, wird vom 14. April bis zum 1. November im Frauenmuseum Bonn zu sehen sein.

 

Zur Historie

Nach 1945 war der frauenpolitische Aufbruch überall zu spüren, aber mit der Etablierung alter Parteistrukturen, verpuffte er bald. Die Durchsetzung der  Gleichberechtigung 1949 war daher ein wirklicher Meilenstein. Doch die Reform des Ehe- und Familiengesetzes im Bürgerlichen Gesetzbuch, die daraufhin nötig wurde, stieß auf große Hindernisse. Während sich viele Frauenverbände an Rhein und Ruhr für  eine rechtliche Verbesserung von verheirateten Frauen einsetzten, leisteten die Kirchen und das neue Familienministerium erbitterten Widerstand.

 

In der Politik waren Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. Zwar gab es im Landtag in NRW mit Christine Teusch schon von 1947-1954 eine erste Ministerin, doch das Beispiel machte keine Schule – weder in der Bundesregierung noch in anderen Bundesländern. 1961 mussten die führenden CDU-Frauen einen regelrechten Schlachtplan entwerfen, um gegen die vehemente Abwehr  von Kanzler Adenauer Elisabeth Schwarzhaupt als erste Bundesministerin durchzusetzen. Da schon alle Ministerien besetzt waren, wurde für sie das Gesundheitsministerium „erfunden“. Auch diese Strategie fand bei beiden Volksparteien keine Nachahmung. Erst 1975 wurde Inge Donnepp von der SPD zweite Ministerin in NRW.

 

Ein weiterer frauenpolitischer Aufbruch fand mit dem Beginn der Neuen Frauenbewegung nach 1968 statt. In ihren Forderungen nach  Selbstbestimmung nahm der Kampf gegen § 218 einen zentralen Stellenwert an. Die 1971 im STERN veröffentlichte Selbstbezichtigungskampagne „Ich habe abgetrieben“, initiiert von der Wuppertaler Journalistin Alice Schwarzer, gab der Bewegung einen großen Mobilisierungsschub. Die aktiven Frauengruppen machten auch auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Die ersten autonomen Frauenhäuser in Köln, Bielefeld und Düsseldorf brachten seit 1976/77 tabuierte Themen wie Gewalt in der Ehe in die Medien. Die vielfältigen Aktivitäten der Frauenbewegung haben Gesellschaft und Politik nachhaltig verändert.

 

Ausschnitte des ersten Teils der Ausstellung vom Kampf um das Frauenwahlrecht sind weiterhin zu sehen. Flugblätter, Plakate, Fotos und dergleichen sowie ein Filmbeitrag zur Frage der Gleichberechtigung ergänzen die Textinformationen. Es erscheint ein Katalog.

 

Zur Kunst

Künstlerinnen der Nachkriegszeit mussten ihre Existenz sichern. Viele hatten ihr Lebenswerk verloren. Schon vor 1968 engagierte sich die Malerin Sarah Schumann für die Kunst von Frauen. Anfang 1970 brach die feministische Kunst mit gewohnten Sehweisen und revolutionierten das bisherige Frauenbild:
VALIE 
EXPORT, Natalie LL. Carolee Schneemann, u.a. Ulrike Rosenbach gründete die Schule für den kreativen Feminismus in Köln. In Bonn entstand 1973 die Gruppe ‚frauen formen ihre stadt‘, die Basis des Frauenmuseums.

 

An der Ausstellung sind folgende Künstlerinnen beteiligt: Heidi Adrian,  Anne Beikircher,  Irmtraud Büttner - Hachmeister,  Sharon Calman,  Angelina Gradisnik,  Kristina Kanders, Marlene Leal da Silva-Quabeck,  Ewa Partum,  Biggi Slongo, Sarah Schumann

 

Neben der NRW-Stiftung und dem LVR unterstützt auch die Stadt Bonn diese Ausstellung.



Sie haben weitere Fragen



Bitte kontaktieren Sie:

Frau Petra Peter-Friedrichs
0228- 691344
petra.peter-friedrichs@frauenmuseum.de

Presseartikel


Foto Böschemeyer
Bonner Generalanzeiger

Hörfunk wdr3

"Freundinnen" - zusammen stark

WDR 3 Resonanzen | 16.02.2018 | 09:03 Min.

Von den Suffragetten bis zum Women’s March - Frauen schließen sich zusammen, um für ihre Rechte einzustehen. Dass das Tradition hat, zeigt nun eine Ausstellung im Frauenmuseum Bonn. Ein Gespräch mit Kuratorin Bettina Bab.

 https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-resonanzen/audio-freundinnen---zusammen-stark-100.html

 


Online talking-art.de

http://www.talking-art.de/frauenmuseum-bonn-mit-wegweisendem-programm-2018/


Filme & Videos


bauhaus*innen räume 1919 – 2019

ein Film von talking-art

Wir zeigen in unserer Ausstellung, welchen Beitrag Frauen bei der Ausformulierung dieser Moderne geleistet haben. Umgekehrt gilt es aber auch aufzuzeigen, was Frauen dieser „Moderne“ zu verdanken haben.


Marianne Pitzen Foto Annelie Runge
'The princess and I' Film von Annelie Runge

The Princess and I – Marianne Pitzen, Künstlerin, Museumsdirektorin, Aktivistin

Ein Film von Annelie Runge

45 Minuten/XDCAM HD/Farbe

 

Marianne Pitzen ist ein Gesamtkunstwerk. Eine keltische Prinzessin mit großen Haarschnecken. Ihre Figurinen aus Kleister und Papier zeigen Matronen, Prophetinnen, Zauberinnen, Todesbotinnen.

 

"Ich habe MP, wie alle sie nennen, bei der Arbeit filmisch begleitet. Im Museum und unterwegs - in China, Japan, Finnland, Ungarn und in der Mongolei.

 

Ich wollte zeigen, wie künstlerische Unabhängigkeit und politisches Engagement sich in der Person der Museumdirektorin verkörpern, gespiegelt von den Künstlerinnen, die sie umgeben, und von solchen, die bekannt sind und sie unterstützen, "sagt die Filmemacherin Annelie Runge.

 

Der Film enthält Aufnahmen seit der Gründung des FrauenMuseums - er zeigt  Protestaktionen bei der Documenta 1992 und 1998 im Moma in New York.

 

 


 

"Zart& Zackig - forever"

Seit 30 Jahren arbeitet die Künstlerinnengruppe „zart&zackig“ zusammen.  Sie haben oder hatten alle Ateliers im Frauenmuseum Bonn. Wie schaffen sie es im Kunstbetrieb zu überleben?

 

Wie gehen sie um - mit Neid und Konkurrenz, mit künstlerischen Ansprüchen und alltäglicher Verzweiflung? Annelie Runge und Andreas Michels haben die sieben Frauen in ihren Ateliers besucht.